Zu einer selbständigen Gemeinde wurde St. Kanzian im Jahre 1866, nachdem die 1850 gebildete Gemeinde Kühnsdorf aufgelöst wurde und sich die drei Katastralgemeinden St. Kanzian, Srejach und St. Marxen zusammenschlossen. 1876 wurde die Ortsgemeinde um die Katastralgemeinde Grabelsdorf (davor zu Eberndorf) erweitert. Drei weitere Katastralgemeinden Stein, St. Veit und Lauchenholz wurden nach der Auflösung der Ortsgemeinde Rückersdorf 1944 eingemeindet. 1973 und 2002 folgten noch kleinere Gebietskorrekturen.

Die Gemeinde St. Kanzian am Klopeiner See erstreckt sich über eine Fläche von 41,08 km² und hat ca. 4.500 Einwohner, die auf 37 Ortschaften verteilt sind.

Die Landschaft ist geprägt von Hügeln, mittleren Bergen (Gracarca, Kitzelberg, Steinerberg) und Seen (Klopeiner See, Turnersee, Kleinsee), die ihre Entstehung der letzten Eiszeit verdanken. Vor einigen Jahren entdeckte man beim Tauchen einen römischen Einbaum am Grund des Klopeiner Sees. Der etwa 1700 Jahre alte Sensationsfund war sehr gut erhalten. Nach der aufwendigen Bergung im Mai 2003 ist der wahrscheinlich als Fischerboot genutzte Einbaum monatelang präpariert und schließlich ins Landesmuseum Kärnten übersiedelt worden.

Ende des 19. Jahrhunderts begann sich der Fremdenverkehr zu entwickeln. Ab dieser Zeit erlebte die Region einen konstanten wirtschaftlichen Aufschwung. Zu Beginn der 90er Jahre erreichte der Fremdenverkehr seinen Höhepunkt, als ca. 1,2 Millionen Nächtigungen verzeichnet wurden. Es standen damals ca. 16.500 Betten zur Verfügung. Ausschlaggebend waren der Klopeiner See als wärmster Badesee Europas, der im Sommer bis zu 28 Grad Wassertemperatur erreicht sowie der Turnersee. Ursprünglich war der Klopeiner See im Besitz des Stiftes St. Paul, bis er 1950 von der Gemeinde St. Kanzian angekauft wurde.

Der Turnersee liegt auf der Rückersdorfer Platte und gilt als Überrest eines nacheiszeitlichen Sees von etwa 9 km² Fläche. Der Kleinsee ist ein Natursee mit einem Sandboden und von einem 20-40 m breiten Seerosen- und Schilfgürtel umgeben.

2009 bekam die Gemeinde St. Kanzian seitens des Landes Kärnten die Auszeichnung „Gesunde Gemeinde“ überreicht. Im Jahre 2010 wurde sie als „Seniorenfreundlichste Gemeinde Österreichs“ für ihre vorbildliche Gesundheits- und Seniorenarbeit ausgezeichnet. 

Sehenswerte historische Orte der Gemeinde:

Gracarca:
Die Gracarca ist ein Berg mit langer Tradition, der am südöstlichen Ufer des Klopeiner Sees liegt. Die urzeitlichen und mittelalterlichen Siedlungsspuren verteilen sich auf eine Länge von fast zwei Kilometern und eine Breite bis zu 500 Meter. In Kooperation zwischen dem Landesmuseum, der Gemeinde St. Kanzian und dem Verein 5000 Jahre Gracarca wurden in den letzten Jahren sehr gründliche Nachforschungen betrieben, und so konnte dieses Gebiet als Noreia, Hauptstadt des mythischen Noricums, definiert werden.

Die Gracarca (slowenisch grad = Burg) ist zusammen mit dem Dreiseenblick im Westen und dem Georgiberg im Osten ein heute dicht bewaldeter Mittelgebirgsstock am südöstlichen Ufer des Klopeiner Sees. Seine Längsausdehnung beläuft sich auf fast 2 km. Mit der archäologischen – historischen Erforschung im Bereich der Gracarca begann man 1927. Erste großangelegte Ausgrabungen wurden von Franz Xaver Kohla zwischen 1952 und 1966 durchgeführt. Zahlreiche vorgeschichtliche und römerzeitliche Funde auf der Gracarca und am Steiner Berg belegen eine kontinuierliche Besiedlung des Gebietes ab der Hallstattzeit (ca. 900 vor Christus).

In Grabelsdorf kam es zu einer epochalen Entdeckung aus der Zeit um 700 nach Christi Geburt. Das bislang einzige vollständige Grab eines 1300 Jahre alten Karantanenfürsten wurde im Kärntner Raum entdeckt. Highlight der Grabbeigaben ist ein awarischer Militärgürtel, der damals ein Symbol für hochrangige Krieger oder Fürsten war.

Georgiberg mit Wunschglocke:
Im Hochmittelalter standen auf der erhöhten Kuppe des Georgibergls (625 m) eine herzogliche Burg und eine kleine Kirche, die zwischen 1060 und 1070 erstmals urkundlich erwähnt wird. Die Siedlungen am Fuße dieses Gebirgsstockes erhielten damals die Namen Ober- bzw. Unterburg. Kunstgeschichtlich höchst bedeutend ist auch die Ortschaft Grabelsdorf (Der Name Grabelsdorf wird von „Villa Gabrielis“ abgeleitet) südlich des Klopeiner Sees, wo sich in der Nähe der Filialkirche St. Daniel wichtige archäologische Ausgrabungsstätten befinden. Im 13. Jahrhundert wird der Klopeiner See nach dem Kirchenpatrozinium sogar St. Georgs See genannt. Später setzte sich jedoch für die Bezeichnung des Gewässers die weiter nördlich gelegene Ortschaft Klopein durch. Im Turm an der Südseite der Georgikirche hängt eine Wunschglocke. In früherer Zeit sind zu dieser Glocke gerne Jungfrauen gepilgert. Beim Läuten der Glocke haben sie sich einen Mann gewünscht und ihr Wunsch soll sich auch erfüllt haben. Der Georgiberg ist ein beliebtes Ausflugsziel, das einen guten Ausblick über den Klopeiner See und nach Eberndorf bietet.

Kirche und Kreuzweg Stein im Jauntal:
Die Überlieferung der Gräfin Hildegard zu Stein besagt, dass sie im 10. Jahrhundert zusammen mit ihrem Gatten auf der Burg Prosnitza, welche auf dem Skarbin-Felsen stand, lebte. Als ihr Mann im Krieg war, versuchte sie ihr Schwager vom frommen Lebenswandel abzubringen. Dies gelang ihm nicht und er beschloss, sich an ihr zu rächen. Als der Graf auf dem Rückweg war, eilte er ihm entgegen und erzählte ihm, dass ihm seine Frau während der Abwesenheit untreu geworden sei. Erzürnt über die Untreue warf er Hildegard aus dem Fenster in die Tiefe. Doch die Unschuldige wurde von Engeln aufgefangen und über die Drau auf das Schloss Stein gebracht. Ob dieses Wunders sah der Graf sein Unrecht ein und bat Hildegard um Verzeihung. Sie vergab ihm, blieb aber auf dem Schloss Stein und errichtete dort ein Spital zur Herberge und Pflege der Armen und Kranken. Außerdem veranstaltete sie immer an ihrem Geburtstag ein Fest für die Armen und Kranken. Noch vor dem Tod verfügte die Gräfin Hildegard, dass es an ihrem Todestag ein großes Fest- und Armenmahl gegeben werde. Als Erinnerung daran, findet jedes Jahr am ersten Sonntag im Februar das Striezelwerfen (Brauch des Brotverteilens) in Stein statt. Diese Striezel sollen gegen Krankheiten bei Mensch und Tier helfen und das Haus vor Unglück schützen. Von der Burg Stein, die dem Ort den Namen gab, sind nur noch Reste (Kirche, Karner, Burgmeierei) vorhanden. Im 18. Jahrhundert mussten wegen Einsturzgefahr große Teile abgetragen werden. Steine der abgetragenen Burg wurden als Baumaterial für die Draubrücke verwendet. Heute ist diese Anlage im Besitz der Kirche.

Zur Kirche in Stein im Jauntal führt schon seit alter Zeit ein Kreuzweg. 14 Kärntner Künstlerinnen und Künstler zeigten sich für die Gestaltung dieses Kreuzweges, der in dieser Form einzigartig ist, verantwortlich. Die liturgischen Inhalte der einzelnen Stationen des Leidensweges Christi sind vorgegeben, die künstlerische Auseinandersetzung war frei.

So ist in Stein im Jauntal eine Art Kärntner Kunstausstellung zeitgenössischen Bildschaffens entstanden.