Kulturweg Gracarca

Veröffentlichungsdatum12.05.2026Lesedauer3 MinutenKategorienRückblicke
Ein Schild im Wald

Kulturweg/Kulturna pot Gracarca – Geschichte erwandern am Badesee

von Mag. Martin Fera

Der Kulturweg Gracarca lädt dazu ein, eine historische Kulturlandschaft mit über 3000 Jahren kontinuierlicher Besiedlungsgeschichte im Jauntal/Podjuna zu erkunden. Im hügeligen Gebiet südlich des Klopeiner Sees/Klopinjsko jezero begegnen Wandernde auf mehreren Routenvarianten zahlreichen archäologisch und historisch bedeutenden Orten. Spuren aus der Eisenzeit, dem Frühmittelalter und dem Hochmittelalter sind heute noch sichtbar und durch Infotafeln – sogenannte „Landschaftslesezeichen“ – erläutert.

Der Kulturweg erschließt insgesamt sechs Stationen, die jeweils unterschiedliche Zeitabschnitte der regionalen Geschichte thematisieren. Ausgangspunkt der Wanderung kann entweder Grabelsdorf/Grabalja vas oder der Ort Unterburg/Spodnji Podgrad sein. Von Grabelsdorf aus bietet der Kulturweg drei unterschiedliche Wegvarianten.

Die kürzeste Variante (ca. 3 km, ca. 1–1,5 Stunden Gehzeit) führt an urgeschichtlichen und frühmittelalterlichen Gräbern vorbei zur Danielkapelle/Št. Danijel, einem frühmittelalterlichen Sakralbau, der bereits im 10. Jahrhundert existierte. Dort können Wanderer erste Einblicke in die Geschichte der Christianisierung der Region gewinnen.

Die mittlere Variante (ca. 6,6 km, 2–2,5 Stunden Gehzeit) umfasst neben der Danielkapelle auch das Plateau der Gracarca. Diese bedeutende eisenzeitliche Höhensiedlung war vom 9. bis zum 1. Jahrhundert v. Chr. bewohnt und gilt als eine der größten prähistorischen Anlagen ihrer Art im Jauntal. Die hier gefundenen Terrassen und Reste von Wohnhäusern vermitteln eindrucksvoll die Struktur und Größe der ehemaligen Siedlung, die von manchen Forschern mit der legendären keltischen Stadt Noreia in Zusammenhang gesehen wird.

Die lange Variante (ca. 10 km, ca. 3 Stunden Gehzeit) erschließt zusätzlich den Georgiberg mit der Georgskapelle/Šentjur. An diesem Ort befand sich im Hochmittelalter (ab etwa dem 11. Jahrhundert) eine Burganlage, von der heute noch Reste in Form von Wall- und Grabenanlagen sichtbar sind.

Wer seine Wanderung in Unterburg beginnt, folgt dem Weg in umgekehrter Reihenfolge, also zunächst über den Georgiberg hinauf zur Gracarca, weiter zur Danielkapelle und schließlich nach Grabelsdorf. Der Weg entspricht der langen Variante in Wegstrecke und Gehzeit.

Die einzelnen zweisprachigen Landschaftslesezeichen informieren Besucher detailliert über wichtige archäologische und historische Hintergründe der jeweiligen Orte. In Grabelsdorf wird etwa die Entwicklung des Ortes seit dem Frühmittelalter erläutert, darunter die frühmittelalterliche Namensgebung und historische Besitzverhältnisse. Am keltischen Gräberfeld nahe Grabelsdorf informiert man über eisenzeitliche Bestattungspraktiken. Ein besonders interessantes Beispiel ist ein Grab aus dem Frühmittelalter, das vielleicht als Bestattung eines Fürsten im slawischen Karantanien anzusehen ist. Bei der Danielkapelle erfährt man Näheres zur Missionierung im Mittelalter, und die Gracarca selbst vermittelt mit den sichtbaren Wohnterrassen ein anschauliches Bild vom Alltag der Eisenzeit. Abschließend verdeutlicht die Kapelle auf dem Georgiberg als sichtbarer Überrest einer Ritterburg, welche wichtige Rolle diese Anlagen im Mittelalter für Herrschaftsausübung und Kontrolle der Region spielten.

Die Informationen der Tafeln basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und vermitteln Hintergrundwissen zu historischen Orten, die sonst kaum im Gelände sichtbar wären. Ergänzend finden Besucher kurze Erläuterungen zur lokalen Forschungsgeschichte, regionalen Legenden sowie zu wichtigen archäologischen Methoden, die bei der Erforschung der Orte zum Einsatz kamen. Über QR-Codes bei den einzelnen Tafeln können auch weitere digitale Inhalte wie 3D-Modelle und Interviews mit Forschern und Forscherinnen abgerufen werden.

Der Kulturweg Gracarca bietet somit nicht nur abwechslungsreiche Wanderrouten und spannende lokale Geschichten, sondern vermittelt über diese exemplarischen Orte zugleich zentrale geschichtliche Epochen und Entwicklungen Kärntens – vom eisenzeitlichen Regnum Noricum über das slawische Fürstentum Karantanien bis hin zur mittelalterlichen Landesherrschaft.

Startpunkte: Grabelsdorf oder Unterburg

Weglänge: 3–10 km

Dauer: 1–3 Stunden

Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittel

Mehr Informationen unter: https://gracarca.info 

Route outdooractive: https://out.ac/3vviYB 

Text: M. Fera, Universität Wien